Vom Guru zur inneren Führung  der Mangel als Wegweiser nach innen

14.02.2026

Viele Menschen sind auf der Suche. Oft auf der Suche nach dem Sinn des Lebens oder einfach nach Lebensglück. Nach dem Weg, wie ein "richtiges" Leben funktioniert. Dabei orientieren wir uns oft im Außen. Wir finden Menschen, die uns Antworten auf unsere Fragen geben.

Doch macht es einen Unterschied, ob wir uns Inspiration holen, die wir durch unseren eigenen Kompass laufen lassen und überprüfen? Oder ob wir anderen die Deutungshoheit geben und ihre Weisheit oder Meinung auf unser Leben übertragen und anwenden?

Der Grund für die Suche

Neben Interesse, Neugier und Freude ist der Grund für die Suche oft, vielleicht sogar meistens, ein innerer Mangel. Dieser Mangel möchte uns auf etwas in uns aufmerksam machen. Zum Beispiel auf einen Schmerz, der noch gefühlt werden will. Oder auf die innere Leere, auf eine Orientierungslosigkeit, auf unerfüllte Bedürfnisse.
Doch wenn wir ausschließlich im Außen suchen, werden wir uns dem Mangel in uns nicht stellen. Und hinter dem Mangel steckt die Botschaft, vielleicht sogar ein Geschenk an uns.
Zwar kann die Suche im Außen uns auch auf uns zurückwerfen und dazu führen, dass wir im Innern nach den Antworten suchen. Doch dies braucht Mut, hinzusehen. Oft ist es leichter, die Verantwortung nicht zu übernehmen und sie einem Guru oder Führer zuzuschreiben. Dann entspringen unsere Entscheidungen nicht unserem inneren Kompass. Sie fußen auf der Weltsicht eines anderen Menschen. Wenn dieser Mensch von anderen anerkannt ist, führt das oft dazu, dass unsere Entscheidung leichter gesellschaftlich anerkannt wird.

Warum wir andere erhöhen

Dieses Phänomen tritt auf, wenn wir zum Beispiel noch nicht wissen, wie wir an unsere eigene innere Weisheit drankommen. Oder aber auch, wenn wir uns selbst nicht zutrauen, die Antworten für unser Leben zu finden.
Ein weiterer Aspekt ist, dass unsere eigenen Antworten mit direkter Verantwortung einhergehen. Wenn ich weiß, was in meinem Kontext stimmt, dann wird es schwer, etwas Gegensätzliches zu tun. Und: Das, was uns im Inneren begegnet, fühlt sich oft sehr unangenehm an. Wenn wir die Fragen im Außen beantworten lassen, können wir den Themen in uns leichter ausweichen und uns vom eigenen Entscheidungsdruck entlasten. Und wenn etwas schief läuft, können wir sagen, mein Guru hat "dies und jenes" gesagt und ich habe ihm geglaubt.

Das Phänomen der Erhöhung und Abwertung braucht immer ein scheinbares Kompetenzgefälle. Einer, der mehr weiß und weiter ist. Und einer, der sich im Vergleich zum anderen mangelhaft fühlt. Die Idee und der Wunsch, so "weit" wie der andere zu sein, ist verständlich. Doch wir sind alle gut so, wie wir sind und brauchen nicht zu anderen werden, die es schon gibt. Ein Vergleich ist also für den Selbstwert unnötig, kann aber zur Orientierung dienen.

Gurus, die keine Gurus sind

Es gibt Menschen, die mögen die Rolle des Gurus und Ratgebers. Sie möchten diese Rolle beibehalten und offenbaren dir nicht, wie du dein eigener Guru werden kannst. Wie du dir die Fragen selbst beantworten kannst. Denn dann wärst du nicht mehr auf sie angewiesen. 

Doch gibt es auch Menschen, die dich begleiten, um dich an deine eigene Macht und deine eigenen Fähigkeiten zu erinnern. Die dich einen Teil des Weges begleiten. Diese Menschen werden oft auch als Gurus bezeichnet - die Rolle wird auf sie projiziert - doch nehmen sie selbst diese Rolle nicht an. Sie werden gleichwohl auf einen Thron erhoben, setzen sich jedoch nicht drauf. Sie erinnern dich immer wieder daran, dass es nicht darum geht, dass jemand dir die Antworten gibt und du sie ungeprüft glaubst.
Worauf du bei Menschen, die dich begleiten, achten kannst, findest du in diesem Artikel: Fallstricke in der Begleitung – wenn Begleitung nicht mehr dient

Wenn es nicht um Antworten geht

Wir versuchen Antworten auf unsere Fragen zu finden. Die Frage mit einer passenden Antwort abzuschließen und ad acta zu legen.
Doch was ist, wenn es manchmal keine eindeutige Antwort auf deine Fragen braucht? Keine abschließende Wahrheit, sondern ein Wissen oder eine Gewissheit für Jetzt? Eingeordnet in den Kontext, der gerade ist?
Meine These ist: Die Fragen, die wir abschließend beantworten, werden zu totem Wissen. Wissen, das in der Vergangenheit funktioniert und vielleicht auch gestimmt hat, aber nicht ohne Weiteres ins Jetzt übertragen werden kann. Totes Wissen ist deshalb aber nicht zwingend wertlos. Es kann ins Jetzt geholt und wiederbelebt werden. Sodass es im jetzigen Kontext dienen kann, ohne die Vergangenheit zu reproduzieren (wenn wir totes Wissen für Lösungen im Jetzt anwenden).

Lade deine innere Führung zu dir ein

Deine innere Führung könnte zum Beispiel sein:
1. Ein intuitiver Impuls bzw. ein klares Gefühl für Stimmigkeit.

2. Körperliche Resonanz - dein Körper signalisiert, was stimmig ist (z.B. Entspannung, wenn du auf die stimmige Option schaust).

⚡ Wichtig

  • Innere Führung ist kein äußerlicher Rat, keine Stimme eines Gurus.

  • Sie führt dich zu Entscheidungen oder Klarheit, die wirklich zu dir passen.

  • Sie zeigt sich oft leise, subtil, gefühlt, nicht laut und dogmatisch.

Eine Übung:

Solange du keinen Zugang zu deiner inneren Führung hast, scheint es keine anderen Möglichkeiten zu geben, andere Ideen und Weltbilder zu übernehmen. Daher ist meine Einladung an dich:


Setze dich in einem ruhigen Moment hin und atme tief ein und aus. Lass durch den Atem Raum in deinem Körper entstehen. Komme im Hier und Jetzt an.

Öffne dein Herz oder dein Inneres dafür, die innere Führung wahrzunehmen. Sage zum Beispiel zu deinem Inneren: "Bitte zeige dich mir, Innere Führung." 

Wenn du noch keine Übung mit dem Dialog mit inneren Anteilen hast, kann dieser Artikel dir Klarheit bringen:
Wenn innere Anteile sprechen - Wege in den inneren Dialog

Gib dem Versuch Zeit. Wenn du beim ersten Mal nichts wahrnimmst, kannst du es immer wieder versuchen. Und: Wenn du den Eindruck hast, das ist nichts für dich - quäl dich nicht und lass es einfach sein 🙂.

Zum Abschluss

Es ist völlig in Ordnung, menschlich und oft auch bereichernd, sich an anderen zu orientieren und Blickwinkel von anderen in die eigene Welt einzuladen. Entscheidend ist, ob du die Dinge prüfst, die du für dich in dein Leben aufnimmst. Denn diese Dinge bestimmen dich, deine Handlungen und deine Haltung. Es ist ein bisschen mit der Kleiderwahl zu vergleichen. Als Kind suchen dir deine Eltern die Kleidung heraus. Sie entscheiden, ob du eine Jacke anziehst oder nicht. Doch je älter du wirst (und je besser deine Eltern loslassen können), desto mehr prüfst du oder entscheidest allein, was du anziehst. Natürlich lässt du dich vielleicht auch bei der Outfitwahl beraten, doch was du letztendlich anziehst, liegt bei dir. Du bist diejenige, die friert oder schwitzt. 


Quelle des Titelbildes: https://pixabay.com/de/illustrations/ai-generiert-mitf%c3%bchlende-pr%c3%a4senz-8664170/