Wenn uns Gefühle im Weg stehen - Beziehungen im Schatten alter Geschichten

28.01.2026

Im Alltag leben wir viele unterschiedliche Beziehungen. Die Beziehung zu unserer Herkunftsfamilie, zu unserer Wahlfamilie, unseren Freunden, Bekannten, Kollegen, Chefs, Ärzten und vielleicht sogar Menschen, die wir als Feinde deklariert haben.

Geprägt werden die Beziehungen von unserer Sozialisation und den Erfahrungen, die wir gemacht haben. Diese Erfahrungen müssen gar nichts mit dem Menschen zu tun haben, dem wir jetzt gegenüberstehen. Wir sehen den Menschen durch unsere eigene, einzigartige Brille. Die unseren Gegenüber mit Filtern wahrnimmt. Diese Filter sind oft sehr beschränkend, erleichtern es aber, Dinge und Menschen schnell einzuordnen - auch Schubladendenken genannt.

Ich sehe den Menschen, wie ich bin und denke. Ich habe ein Bild von dem Mensch, das oft nicht dem entspricht, was tatsächlich ist.

Wenn ich mir dieser Beschränkung bewusst bin, kann ich mein Herz dafür öffnen, den Menschen außerhalb meiner Begrenzungen wahrzunehmen. Du lässt die Schubladen also offen und prüfst das, was du hineinsortiert hast, auf Stimmigkeit. Und prüfst auch, ob die Schublade weiterhin zu deinem Vorteil ist, oder ob die Schublade komplett aussortiert werden kann.

Ich nehme meine eigenen Begrenzungen wahr und kann so freier und offener den "wahren" Kern des anderen erahnen.

Emotion - was zuerst da ist

Emotionen entstehen automatisiert und verursachen oft eine unmittelbare Reaktion. Kennzeichnend für Emotionen ist, dass sie nur von kurzer Dauer sind. So kann uns zum Beispiel Wut berühren. Wir nehmen sie intensiv wahr, haben vielleicht sogar körperliche Reaktionen. Doch genauso wie die Wut gekommen ist, fließt sie weiter und ebbt ab.

Emotion: Energy in motion - Energie in Bewegung

Sie ist eng verbunden mit dem Unbewussten. Je unbewusster wir uns sind, desto weniger können wir die Energie wahrnehmen und nehmen die Energiebewegung oft persönlich. 

Emotionen kommen und gehen. Sie sind gekoppelt an das, was passiert. Wenn das, was passiert, vorbei ist, ist auch die Emotion vorbei. Emotionen berühren uns.

Gefühle - was aus den Emotionen entstehen kann

Gefühle entstehen auf Grundlage von Bewertungen und Einordnungen von Situationen und Emotionen. Die Körperreaktion, die durch die Emotion hervorgerufen wurde, wird meist unbewusst mit Gedanken, Erinnerungen und Bedeutungen verknüpft. Diese Assoziation sorgt für ein getrübtes oder verzerrtes Bild der Realität. 

Gefühle können benannt werden (z.B. Ich fühle mich...) und andauern. 

Wir können Gefühle mit uns rumtragen und uns damit belasten. Wir können damit Beziehungen (dysfunktional) beeinflussen.

Gefühle bleiben, wenn sie an Geschichten gebunden werden. Sie sind das, was wir über die Emotion und das Leben denken, fühlen und erzählen. Gefühle bleiben, bis wir die Geschichten erkannt haben und loslassen. Gefühle können uns und unser Verhalten beherrschen und ein Ohnmachtsgefühl und Hilflosigkeitsgefühl verursachen.

So bekommen wir oft das Gefühl, dass wir die Situation nicht ändern können und sehen keinen Ausweg. Unsere Energie bleibt in der Vergangenheit gebunden.

Je weniger wir uns über die Verzerrung bewusst sind, desto unkontrollierter handeln wir und desto mehr Macht bekommen andere über unser Verhalten. 

Wenn ein Mensch also alte Gefühle oder Erinnerungen in mir triggert und ich mit dem, was es in mir auslöst, nicht sein kann, dann muss ich reagieren. Ich bin nicht mehr frei aus Klarheit zu handeln, sondern fahre ein automatisiertes Verhalten ab.

Was tatsächlich ist

Wir sehen die Welt verzerrt und durch den Verstand begrenzt. Vieles, was auch da ist, nehmen wir nicht wahr, weil unser Filter Situationen bewertet und sortiert - oft in unangenehm und angenehm, gefährlich und ungefährlich.

Wie können wir nun in Beziehung mit Menschen treten, ohne zu sehr von den Filtern beeinflusst zu werden? 

Indem wir uns stellen, was in uns ist. Alte Wunden und Schmerz fühlen und da sein lassen anstelle ihn zu vergraben und im Unbewussten wirken zu lassen. Indem wir uns unsere Schatten ansehen und beleuchten. Je weniger unterbewusst wirkt, desto klarer können wir sehen.

Und: Das wir im Bewusstsein behalten, dass die Dinge manchmal anders sind, als sie scheinen und unseren Blickwinkel offen für andere Wahrnehmungsmöglichkeiten halten.

Dies können wir gemeinsam mit Menschen tun, wenn alle Beteiligten die Bereitschaft haben, hinzusehen.
Wenn ihr als Paar also immer wiederkehrende Themen habt und aus dem Kreislauf nicht herauskommt, beide aber daran arbeiten möchtet, kann es hilfreich sein, wenn ihr euch Unterstützung holt.
Wenn du in einer Partnerschaft bist und dein Partner nicht hinsehen möchte, dann kannst du den Weg auch allein gehen.
Sobald du Verantwortung für deine Gefühle übernimmst, wird die Dynamik zumindest auf deiner Seite verändert. Das kann die gesamte Beziehungsdynamik ändern.

Was habe ich davon

Dein innerer Kern wandelt sich von Abwehr zu Annahme. Aus der Annahme entsteht Klarheit. Jedes Verhalten aus Klarheit vertritt dich und zeigt, wer du wirklich bist. Abseits von Programmierungen und unbewussten Mustern. Dadurch, dass du mehr als du selbst handelst, kommen Dinge in dein Leben, die dir entsprechen. Das Leben wird häufig leichter und der Kampf im Innern und im Außen wird weniger.

Eine Einladung

Manches lässt sich allein erkennen, anderes zeigt sich erst im Gegenüber. Wenn du deine Muster in Beziehung besser verstehen und verändern möchtest, kannst du dich von mir begleiten lassen – achtsam und in deinem Tempo. 

Lies gern auch den Artikel Von Glaubenssätzen und inneren Anteilen – und wie sie unser Leben beeinflussen und Wenn innere Anteile sprechen - Wege in den inneren Dialog. Diese Artikel führen dieses Thema weiter.


Quelle Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/paar-mann-frau-auseinandersetzung-3361949/